K & D . Tosca . Peace Orchestra . Stereotyp . DJ DSL . URBS . Rodney Hunter
 
WANDERER ZWISCHEN DEN WELTEN  
04/24/2005 - IQ Magazine
Urbs ist Österreichs Tonmeister des Chilling HipHop. Doch jetzt folgt der DJ & Produzent einer anderen Tonspur: dem Chanson. Als Weggefährte gibt sich Peter Kruder die Ehre.
Karin Boba

Bei Interviews erzählt einem ja sehr schnell einmal jemand, dass er nur um die Liebe zur Musik geht. Dass das Wichtigste die Emotionen sind und die Leidenschaft, die man selbst empfindet und im besten Fall bei den bereitwilligen Konsumenten auslöst. Oft lächelt man dieser Stelle lieb und freundlich, um sich im gleichen Atemzug “Na klar“ zu denken.
Auf den Wiener Paul Nawrata, Künstlername Urbs, trifft diese Aussage aber tatsächlich zu, ohne die rosarote Brille aufsetzen zu müssen. „ Mir geht es um Melodien und Leidenschaften, nicht um durchschnittliche Grooves, die irgendwo dahingrundeln“, versucht Urbs die musikalische DNS seines Solowerks „ Toujours le même film…“ zu erläutern. „ Es geht um Sounds, die auf den Punkt kommen.“

Herr Urbs ist laut Eigendefinition ein „ Musikfreak“, eine Bezeichnung, die treffender nicht sein könnte und durch das unglaublich fundierte musikalische Wissen des Wiener Sound Lovers noch an Kraft gewinnt, in Österreich ist er bereits seit einem gut gereiften Jahrzehnt ein Begriff. Vor allem als DJ hat er sich einem Namen als Connaisseur feinster Dope Beats, HipHop, Soul, und Funk-Häppchen gemacht. Gemeinsam mit seinem Spiel-Gefährten Cutex ließ er 2001 das erste Mal mit dem gemeinsamen Debüt „Break Of Dawn“ aufhorchen, das beinahe ohne jegliche Promotion weltweit einen Feinschmecker-Hörerkreis erreichte. Zwei Jahre danach schufen die beiden Music Addicts mit „Peace Talks!“ 13 Tracks als Hymne auf den Loop.

Dass sich Paul aber auch solo gut macht, war uns bis dato verbogen geblieben. „Toujours le même film….“ Bewegt sich mühelos zwischen Chanson, Filmmusik und Downtempo und trägt dabei eine hauchzarte und zugleich bittersüße Schwere mit sich. Mysteriöse Melancholie schwirrt in jeder Melodie zaghaft mit und verschlägt den Hörer in eine andere Zeit, lässt ihn unweigerlich in eine verbogene Welt abtauchen, in der Serge Gainsbourg, Francis Lai und Ennio Morricone in einer kleinen abgeschiedenen Pariser Bar der frühen 60er Jahre gemeinsam einen Cocktail schlürfen. Drängt sich natürlich die Frage auf, wieso der HipHop Experte sich auf seinem Solodebüt ausgerechnet dem Chanson verschreibt. „ Das ist de Sound, den ich immer gemacht habe, wenn ich allein und Genre-übergreifend gearbeitet habe. Ich stehe auf dieses Dramatische, Orchestrierte, Große, Erhabene. Die Themen, die auftauchen, die ganze Stimmung. Ich glaube, damit kann jeder etwas anfangen Common Ground eben“, schmunzelt Paul verwegen.

„ Ich habe zum ersten Mal ohne Samples komponiert „ erzählt der Musiker weiter „und das Ergebnis hat mich genauso bewegt, als wäre es ein HipHop-Loop gewesen. Nachdem ich gesehen habe, dass viele Dinge, vor allem Filmmusikthemen, total simpel sind und man auch mit einem Finger viel erreichen kann, habe ich selber begonnen, solche Tracks zu komponieren“. Zu recht, wie es scheint. Denn Wiens erstes großes musikalisches Aushängeschild in Sachen Downtempo, Peter Kruder, ließ es sich nicht nehmen, als Co-Produzent für „Toujours le même film“ zu fungieren. Nach Genuss einer musikalischen Kostprobe von Urbs neuem Schaffen war der legendäre Electro-Tüftler von dem Sound dermaßen begeistert, dass er sein neu eingerichtetes Studio zum Abmischen zur Verfügung stellte und Paul vom Fleck weg aif G Stone signte. „ Peter ist genauso ein Musikfreak wie ich“, gerät Paul ins Schwärmen, „ und das ist das Besondere an der Sache. Wir haben extrem viel Zeit damit verbracht, uns einfach Sachen anzuhören. Peter hat die richtigen Ohren dafür. Es ist einfach der Spirit hinter dem ganzen Ding. It is still about the love of music.“
Und damit endet die Geschichte wo sie angefangen hat, bei der Liebe zur Musik, die manchmal einfach mehr als eine platte Floskel ist.

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