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FUNK SOUL BROTHER  
04/26/2004 - Now 04/2004
Warum hast Du eigentlich nie eine eigene Platte gemacht?
Sebastian Fasthuber

Peter Kruder und Rodney Hunter waren im Zuge eines intimen Abendessens unter alten Freunden beim Dessert angelangt, als der Wiener Groove-Impresario und Label-Betreiber dem stillen Produzenten-Crack ein Angebot unterbreitete. „Du hast doch den Schmäh! Mach ein Album auf G-Stone."

„Daran habe ich komischerweise selbst nie gedacht", erinnert sich Rodney Hunter im now!-Interview an jenen Abend vor drei Jahren zurück. „Seit Anfang der Neunziger bin ich praktisch pausenlos in meinem Studio gesessen und habe nur für andere Leute gearbeitet. Lange Zeit habe ich mir gedacht, die Welt wird auch so verstehen, dass ich leiwand bin. Was aus heutiger Sicht natürlich ein Riesenblödsinn war."

Wirklich geschadet hat ihm seine Zurückhaltung jedoch nicht. Der im Alter von zwölf Jahren aus den USA nach Österreich gekommene Musiker hat sich über die Jahre zum gern konsultierten Experten für guten Sound entwickelt, der von Maxis für das gemeinsam mit Werner Geier betriebene Uptight-Label über die heimische HipHop-Crew Aphrodelics bis zur Grammy-nominierten Platte ‚Song For The Geese’ des Jazzers Mark Murphy in zahlreichen Produktionen zwischen Vienna Groove, HipHop und Soul seine Finger im Spiel hatte - aber auch Abstecher in den Mainstream unternahm. „Dieses Starmania-Ding ,Stars In Your Eyes' war ursprünglich nur ein Schmäh. Da haben Stefan Morth (alias Stereotyp - Anm. d. Red.] und ich drei Flaschen Rotwein getrunken und nebenbei ein Ragout aus drei US-Top-Ten-Hits gemacht. Dass der ORF das Stück auswählt und es dann gleich erste Single und Signation der Sendung wird, daran hätten wir nie gedacht."

Kürzlich ist Rodney Hunter nach Berlin übersiedelt. Dort arbeitet er unter anderem als Co-Produzent von DJ Tomekk und tüftelte schon dessen Lil'-Kim-Hit „Kimnotize" aus. „Diese HipHop-Welt ist schon verrückt", plaudert er aus dem Nähkästchen. „Da herrscht eine unglaubliche Hektik. Du würdest nicht glauben, was für einen Telefonterror ich nach Kimnotize' hatte: Def Jam hat ständig angerufen, Jay-Z wollte die Nummer."

Hunter hat über die Jahre die zurückgezogene Arbeit im Studio zu sehr lieben gelernt, als dass er aufgrund seiner Erfolge abheben würde. So entstand die Produzenten-Visitenkarte Hunter Files - sein Abschiedsgeschenk an Wien - entspannt in Freiräumen zwischen Auftragsarbeiten. „Daraus ergab sich der Ansatz, ein eher ruhiges, soundmäßig homogenes Ding zu schaffen, das man vom Anfang bis zum Ende hören kann und dem man meinetwegen auch nicht jede Sekunde gebannt lauschen muss."

Rodney Hunter strahlt, obwohl kaum über 30, eine Ruhe aus - die man auch seinem Album anhört. Wenn er nicht gerade HipHop produziert. bevorzugt der Funk Soul Brother nämlich gut abgehangene, beseelte Musik, die bei ihm trotz moderner Sounds im besten Sinne klassisch klingt. „Mein Vater war in den späten Siebzigern in den USA Disc-Jockey", erklärt er. „Einmal hat er mich Knirps kurz in einen Club mitgenommen. Ich habe ganz stolz meinem Vater zugeschaut und die Atmosphäre gespürt. So jung so laut ,Good Times' von Chic zu hören - das prägt einen fürs Leben."

Als die Familie Mitte der Achtziger nach Wien übersiedelte, fand Hunter schnell Anschluss Mit dem Nachbarskind Peter Kruder, Stefan Biedermann (später: DJ DSL) und Martin Forster (Sugar B.) formierte er die Rap-Rockcombo The Moreaus. Der Rest ist Geschichte - heute gehören alle vier Ex-Moreaus als DJs, Produzenten und Clubbetreiber zu den Aushängeschildern des Wiener Sounds „Das war damals eine goldene Zeit", gestattet sich Hunter am Ende des Gesprächs ein wenig Nostalgie. „Wir waren viel mehr gefordert, erfinderisch zu sein. Als wir angefangen haben, gab es überhaupt nichts. Es hat ewig gedauert, bis die ersten HipHop-Platten nach Wien durchgedrungen sind. Das Gute daran war, dass ich so eine eigene Handschrift entwickeln konnte.“

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